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Abfindung bei Kündigung: Dem Finanzamt nichts schenken

Abfindung bei Kündigung: Dem Finanzamt nichts schenken

Bekommt man vom Arbeitgeber die Kündigung, wird häufig eine Abfindung angeboten, um den Jobverlust ein wenig zu erleichtern. Doch diese kommt nicht nur dem Arbeitnehmer zugute, sondern auch dem Finanzamt, denn eine Abfindung muss seit 2006 voll versteuert werden, die vorher üblichen Freibeträge gibt es nicht mehr. Wie hoch diese Versteuerung ausfällt, lässt sich jedoch innerhalb gewisser Grenzen beeinflussen. Häufig bieten Arbeitgeber an, die Abfindung auf zwei Jahre gestreckt auszuzahlen. Die Ermäßigung der Besteuerung einer Abfindung wird in der Regel jedoch nur dann Erfolg haben, wenn in einem Jahr eine geringfügige Teilzahlung geleistet wird und die verbleibende Hauptsumme im Folgejahr gezahlt wird.

Was ist eine geringfügige Teilleistung?

Die Finanzämter sprechen hierbei von der geringfügigen Teilleistung der Abfindung. Die Finanzverwaltungen sehen dabei einen Betrag von maximal fünf Prozent der Hauptleistung vor. Fällt der Teilbetrag höher aus, lehnen viele Finanzämter eine vergünstigte Besteuerung der Abfindung ab. Doch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. So gibt es diverse Beispiele in der Rechtsprechung, bei der auch höhere Teilleistungen anerkannt werden mussten. Konkret hat im November 2014 das Finanzgericht Baden-Württemberg einer Klage stattgegeben, in der ein Arbeitnehmer die Anerkennung der vergünstigten Besteuerung verlangte. In seinem Fall ging es um eine Abfindungssumme von 10.200 Euro im ersten Jahr und einer Folgesumme von 104.800 Euro im zweiten Jahr. Damit lag er offensichtlich über der Grenze von fünf Prozent, doch im Verhältnis zur Gesamtsumme sah das Finanzgericht den Betrag dennoch als geringfügig an. Im Moment ist der Bundesfinanzhof mit der endgültigen Klärung der Frage beschäftigt.

Auch das Arbeitsamt interessiert sich für Abfindungen

Die Unklarheiten bei der Rechtsprechung sind aber nur ein Aspekt bei der Abfindung nach einer Kündigung. So denken viele Arbeitnehmer, dass prinzipiell ein Rechtsanspruch auf Zahlung einer Abfindung besteht; dies ist jedoch (bis auf wenige Ausnahmen) nicht der Fall. Auch muss die Abfindungshöhe nicht für jeden Arbeitnehmer gleich sein. Wichtig ist, dass man als Arbeitnehmer vor Annahme einer Abfindung und der Zustimmung zur Kündigung genau informiert ist, welche Auswirkungen diese Zahlung hat. Denn nicht nur das Finanzamt interessiert sich für die Abfindung, sie ist gegebenenfalls auch für den Bezug von Arbeitslosengeld von Belang. So ist es in diesem Zusammenhang wichtig, dass die ordentliche Kündigungsfrist eingehalten wird und die Abfindung nicht etwa „für geleistete Dienste“, sondern ausdrücklich „für den Arbeitsplatzverlust“ gezahlt wird. Ansonsten zählt die Abfindung als Arbeitsentgelt und wird von der Arbeitsagentur entsprechend bewertet. Um weitere rechtliche Fallstricke und Nachteile zu vermeiden (die sich z.B. auch durch die Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrags ergeben können), sollte man ggf. rechtlichen Rat durch einen Anwalt, Gewerkschaften oder die Verbraucherzentralen in Anspruch nehmen.

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