Vermögenswirksame Leistungen

Vereinfacht gesagt: Bei vermögenswirksamen Leistungen handelt es sich um Geld, das Ihr Arbeitgeber zahlt, um Sie beim Vermögensaufbau zu unterstützen. Und zwar jeden Monat mit einem Betrag zwischen 6,45 Euro und 40 Euro. Unter bestimmten Voraussetzungen zahlt der Staat noch die Arbeitnehmersparzulage obendrauf. Vermögenswirksame Leistungen gibt es schon seit 1961, doch von vielen wird diese Möglichkeit zur ergänzenden Altersvorsorge oder Finanzierung des eigenen Hauses nicht genutzt.

Wer hat Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen und wie hoch sind diese?

Vermögenswirksame Leistungen können Arbeitnehmer, Beamten, Richter, Soldaten und Auszubildenden erhalten. Wer teilzeitbeschäftigt ist, bekommt die vermögenswirksamen Leistungen auch, jedoch meistens nur anteilig, genauso wie Leute mit Minijobs. Freiberufler, andere Selbständige sowie Rentner haben keinen Anspruch darauf.

Auf Wunsch müssen Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter VL-Verträge abschließen. Diese können nicht nur auf den Arbeitnehmer selbst, sondern auch auf Ehegatten oder Kinder bis 16 Jahren laufen. Anlageform und -institut sind hierbei frei wählbar. Generell zahlt der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen zwischen 6,45 und maximal 40 Euro monatlich. Jedoch gibt es bei einigen VL-Verträgen Mindestanlagesummen, z. B. bei manchen Aktienfonds oder Bausparverträgen. Wer weniger vom Arbeitgeber erhält, muss die Differenz selbst dazutun. Das bietet sich auch an, um die volle Arbeitnehmersparzulage zu erhalten. Nicht immer werden die vermögenswirksamen Leistungen vom Arbeitgeber zusätzlich oder komplett zusätzlich zum Gehalt gezahlt. Manchmal wird dafür der Betrag oder ein Teil vom Gehalt abgezogen. Auf jeden Fall aber müssen Sie – außer bei vermögenswirksamen Leistungen für die betriebliche Altersvorsorge – Steuern und Sozialabgaben dafür zahlen.

Welche Anlageformen gibt es für vermögenswirksame Leistungen?

Für vermögenswirksame Leistungen sind verschiedene Anlageformen gesetzlich zugelassen. Alle VL-Verträge müssen dabei bestimmte Kriterien erfüllen. Die üblichsten Anlageformen für vermögenswirksame Leistungen sind Bausparverträge und Aktienfonds, da sie staatlicherseits durch die Arbeitnehmersparzulage gefördert werden. Interessant für Arbeitnehmer, die diese nicht erhalten, ist das VL-Sparen im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge. Darüber hinaus können vermögenswirksame Leistungen z. B. auch in Banksparpläne, Kapitallebensversicherungen und Vermögensbeteiligungen gesteckt werden.

Bausparverträge bzw. Tilgung eines Baukredits
Alle Bausparverträge eignen sich zum VL-Sparen. Diese Sparform ist sicher und wird durch die Arbeitnehmersparzulage oder die Wohnungsbauprämie gefördert. Wenn der Bausparvertrag als reiner Sparvertrag dienen soll, sollte man auf möglichst hohe Sparzinsen achten und eine niedrige Bausparsumme (wegen der geringeren Abschlussgebühren) wählen, damit es sich lohnt. Wer den Bausparvertrag zum Bauen oder Modernisieren verwenden möchte, kann eine höhere Bausparsumme wählen. Auch für die Tilgung eines Baukredits können die vermögenswirksamen Leistungen eingesetzt werden.

Aktienfonds
Eine höhere Rendite lässt sich mit Aktienfonds erreichen. Hier ist jedoch auch das Risiko größer. Risikomindernd wirken sich eine langfristige Anlage und eine breite Streuung des Fonds aus. Zu beachten ist, dass nicht alle Aktienfonds als VL-Sparanlage gewählt werden können.

Betriebliche Altersvorsorge
Für diejenigen, die keine Arbeitnehmersparzulage erhalten, ist möglicherweise die Verwendung der vermögenswirksamen Leistungen für die betriebliche Altersvorsorge interessant. Bei dieser Form des VL-Sparens ist der Sparbetrag steuer- und sozialabgabenfrei. Hier gibt es fünf Varianten, von denen jeder Arbeitgeber mindestens eine anbieten muss: Direktzusage, Direktversicherung, Unterstützungskasse, Pensionskasse und Pensionsfonds. Zumindest die Direktversicherung ist jederzeit möglich. Bereits bestehende Verträge für die betriebliche Altersvorsorge können Sie entweder um die VL-Beiträge des Arbeitgebers aufstocken oder Ihren eigenen Sparanteil entsprechend senken. Allerdings können Sie über das Geld erst im Alter verfügen. Zudem muss es dann versteuert werden.

Wer erhält die staatliche Arbeitnehmersparzulage und wie hoch ist sie?

Der Staat fördert einige, wenn auch nicht alle Formen von VL-Sparplänen durch die Arbeitnehmersparzulage. Zulagen gibt es für Bausparverträge, die Tilgung eines Baukredits sowie für Aktienfonds. Dabei darf das das zu versteuernde Einkommen 20.000 Euro im Jahr bzw. bei zusammen veranlagten Ehegatten 40.000 Euro nicht überschreiten. Je nach Kinderfreibeträgen und Höhe der Werbungskosten kann das Jahresbruttoeinkommen jedoch um einiges höher liegen.

Die Zulagen vom Staat betragen seit 2009 für Bausparverträge und zur Tilgung von Baukrediten 9 Prozent bis jährlich maximal 470 Euro und für Aktienfondssparpläne (sowie andere Vermögensbeteiligungen) 20 Prozent bis jährlich maximal 400 Euro. Maximal erhält der VL-Sparer also fürs Bausparen pro Jahr 43 Euro und bei Aktienfonds 80 Euro vom Staat dazu (Ehegatten das Doppelte). Die Arbeitnehmersparzulage wird erst nach einer siebenjährigen Frist ausgezahlt und muss mit der Steuererklärung beantragt werden. Zahlt der Arbeitgeber nur einen Teilbetrag, kann der Arbeitnehmer die Differenz zum maximal geförderten Betrag dazuzahlen, um die volle Arbeitnehmersparzulage zu erhalten.

Was müssen Sie tun, um vermögenswirksame Leistungen zu erhalten?

  1. Erkundigen Sie sich ggf. beim Arbeitgeber, wie viel und für welche VL-Verträge er zahlt.
  2. Informieren Sie sich, schließen Sie einen entsprechenden Vertrag ab und richten Sie ein Anlagekonto ein.
  3. Reichen Sie die Kopie des VL-Vertrages beim Arbeitgeber ein.

Der Arbeitgeber zahlt die vermögenswirksamen Leistungen dann monatlich auf das angegebene Konto. Ein VL-Sparvertrag läuft über sechs Jahre und ist danach noch ein Jahr gesperrt. Nach sieben Jahren können Sie über das Geld verfügen (außer bei vermögenswirksamen Leistungen im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge).

Weiterführende Links zum Thema vermögenswirksame Leistungen:

Vermögenswirksame Leistungen. Höhere Zulage (Test 10/2008)
Vermögenswirksame Leistungen. Clever sparen (Special der Stiftung Warentest vom 06.06.2008)
Gewusst wie. VL-Fondssparplan (Finanztest 1/2009)
Mehr Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Deutschland (Artikel auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums vom 1. April 2009)