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Auch limitierte Angebote müssen für Kunden verfügbar sein

Auch limitierte Angebote müssen für Kunden verfügbar sein

Wer kennt das nicht? Ob im Werbeprospekt des Discounters, im TV-Shop oder online auf der Webseite: Oft werden Angebote als „begrenzt verfügbar“ beworben, um den Kunden zu einer Kaufentscheidung zu drängen. Was aber, wenn das limitierte Produkt bereits nach wenigen Minuten ausverkauft ist? Das Oberlandesgericht Koblenz hat hierzu ein interessantes Urteil gefällt. Eine Werbung, bei der ein undifferenzierter Hinweise zur limitierten Stückzahl ohne weitere Details enthalten ist, sei demnach unzulässig, so die Richter. Solche Hinweise seien inhaltslos und dazu geeignet, den Verbraucher in die Irre zu führen.

Irreführende Werbung?

Im vorliegenden Fall war in Prospekten und im Internet für ein Elektrogerät geworben worden, das zu einer bestimmten Zeit (18 Uhr des betreffenden Tages) in ausgewählten Filialen sowie im Internet erhältlich sein sollte. Schon um 18.04 Uhr war das Gerät online allerdings vergriffen; in den Filialen reichte der Vorrat maximal zwei Stunden. Das Urteil der Richter machte allerdings auch Konzessionen an den Händler. So sei die Verfügbarkeit in den Filialen ausreichend gewesen; online sei das nicht der Fall. Eine solche Werbung sei generell unzulässig, wenn beworbene Artikel nicht „für eine angemessene Zeit“ verkauft würden. Genaue Angaben über einen Zeitrahmen machte das OLG allerdings nicht. Hier legten die Juristen den Händlern nahe, ihre Erfahrungen aus ähnlichen Aktionen der Vergangenheit zu berücksichtigen und sich entsprechend zu bevorraten. Das Unternehmen hatte zunächst argumentiert, die Ware habe wegen der unerwartet hohen Nachfrage im Onlineshop nicht ausgereicht, obwohl die Firma eigentlich ausreichend geplant habe. Diese Behauptung sah das Oberlandesgericht Koblenz jedoch nicht als plausibel an. Anders verhielt es sich mit den Ladengeschäften, denn hier legte das Unternehmen schlüssig dar, dass die Nachfrage nach vergleichbaren Aktionen in den Filialen in der Vergangenheit eher gering gewesen sei. Umso mehr fragt man sich jedoch als Beobachter, warum dann für die Online-Bevorratung so knapp kalkuliert wurde.

Augen auf bei den Stückzahlen

Für den Verbraucher stellt sich die Frage, wie er mit derartigen Angeboten umgehen sollte. Natürlich muss er so früh wie möglich zuschlagen, wenn er ein solches Gerät kaufen möchte. Unzumutbar kurze Zeiten (wie in diesem Falle vier Minuten nach Verkaufsbeginn online) gelten aber als irreführende Werbung. Ein anderes Phänomen, das besonders beim Einkauf im Internet immer öfter beobachtet wird, ist der Reiz mit der verfügbaren Menge der Artikel. Hinweise wie „nur noch 2 Stück vorrätig“ gibt es in vielen Shops. Die Frage ist, ob sie tatsächlich den Tatsachen entsprechen. Hier haben Verbraucherschützer schon häufiger Tests vorgenommen. Bei großen Händlern waren die Artikel nach Testkäufen in entsprechender Zahl tatsächlich meist ausverkauft, während andere Händler die Verknappung des Angebots nur vorschieben, um den Käufer zu einer raschen Kaufentscheidung zu drängen. Besonders oft ist dies in der Reisebranche zu beobachten, wo Zimmerkontingente offenbar immer sehr knapp zu sein scheinen. Hier sollte der Verbraucher also gegebenenfalls in Ruhe entscheiden, ob das Angebot wirklich so gut ist, wie er glaubt.

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