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Bankkunden sollten unzulässige Gebühren zurückfordern

Bankkunden sollten unzulässige Gebühren zurückfordern

Häufig hört man, dass sich große Banken aus dem Privatkundengeschäft zurückziehen möchten, weil damit kein Geld zu verdienen sei. Das mag aus Bankensicht zutreffen, weil viele Kunden kein Geld anlegen, sondern nur ihre Girogeschäfte über die Banken tätigen. Obwohl es inzwischen zahlreiche kostenlose oder zumindest sehr günstige Alternativen gibt, zahlt der Großteil der deutschen Bankkunden aber offenbar immer noch horrende Gebühren, die zum Teil sogar unzulässig sind. Und damit verdienen die Banken doch einiges mehr, als man zunächst vermuten würde. Dementsprechend verzeichnen die Ombudsleute der privaten Banken auch einen enormen Zuwachs an Beschwerden über solche Gebühren. Im letzten Jahr waren es weit über 100.000 Fälle. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren gab es diesbezüglich etwa zwanzigmal weniger Beschwerden als heute. Und mehr noch: Ein Großteil der Beanstandungen wird als rechtmäßig erachtet, so die Ombudsleute in einem aktuellen Bericht.

Banken ignorieren Urteile

Im vergangenen Jahr entfielen besonders viele Beschwerden auf unzulässige Kreditgebühren, die von den Banken nicht erstattet wurden. Dabei hatte der Bundesgerichtshof im vorigen Jahr ganz klar die Rechtslage zugunsten der Kunden festgestellt. Es scheint, als ob die Banken sich der Rechtsprechung nur dann unterwerfen, wenn die betroffenen Kunden die Sache auch wirklich mit Nachdruck verfolgen. Daher empfehlen die Ombudsleute, den Banken nichts zu schenken und auch kleine Gebührenbeträge zurückzufordern, selbst wenn das mit Arbeit und Mühe verbunden ist. Nur so könne man die Banken „umerziehen“, so die Ansicht vieler Finanzexperten zu diesem Thema. Dabei geht es oft gar nicht um große Beträge, sondern um Alltagsgeschäfte. Kaum ein Kunde beschwert sich, wenn er Gebühren für eine neue EC-Karte bezahlen soll, wenn die alte verloren ging. Auch bei Korrekturen fehlerhafter Buchungen wird oft klaglos die Gebühr bezahlt. Zu den typischen Fällen, bei denen Kunden ihr Geld zurückfordern können, zählen unzulässige Gebühren für Lastschriften, die mangels Kontodeckung nicht eingelöst werden konnten; Kontoauszugsgebühren für nachträglich erstellte Zweitausfertigungen oder Gebühren bei der Einrichtung von Pfändungsschutzkonten.

Was kann der Ombudsmann tun?

Die Ombudsleute sind eine wichtige Einrichtung und dienen als eine Art Schiedsstelle zwischen Bankkunde und Bank, ohne dass für jede Rückforderung gleich ein Gericht angerufen werden muss. Damit sie tätig werden, sollte der Bankkunde zuvor bereits schriftlich die strittigen Beträge bei der Bank angemahnt haben. Bleibt dies ohne Erfolg, kann er sich an die Beschwerdestelle wenden. Mit einer solchen Beschwerde können außerdem wichtige Verjährungsfristen gehemmt werden. Zunächst versucht der Ombudsmann eine Vermittlung. Schlägt diese fehl, kann er bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro eine für die privaten Banken bindende Entscheidung treffen. Der Bankkunde kann hingegen unabhängig von der Entscheidung auch weiterhin den Rechtsweg beschreiten, falls er nicht zufrieden ist. Experten empfehlen, nach jedem neuen Urteil zum Thema Bankgebühren für jeden Einzelfall eine Rückforderung bei der Bank geltend zu machen. Dabei ist eine angemessene Frist zu setzen. Erfolgt keine Reaktion, sollte man den Briefwechsel zusammen mit einer Beschwerde an die zuständige Stelle der Ombudsleute senden.

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