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Flatrate mit Hintertür: Wenn die Verbindungsgeschwindigkeit gedrosselt wird

Flatrate mit Hintertür: Wenn die Verbindungsgeschwindigkeit gedrosselt wird

In der Frühphase des Internets waren Verbindungsgeschwindigkeiten sehr langsam. Die Datenmengen, die sich damit sinnvoll übertragen ließen, waren entsprechend gering und bezogen sich in erster Linie auf Textinhalte und wenige Bilder in kleinen Größen und Auflösungen. Sounds oder gar Videos erforderten extreme Geduld, ebenso wie hochwertige Grafiken. Damals wurden die Tarife zeitbasiert abgerechnet. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die sogenannten Flatrates. Dabei konnte man für eine bestimmte Grundgebühr unbegrenzte Zeit im Internet surfen. Da die Verbindungsgeschwindigkeiten mit ISDN und später DSL anwuchsen, stiegen auch die Datenvolumen, die übertragen wurden. Musik, Filme und andere Inhalte dominieren heute das Internet und erfordern eine entsprechende Bandbreite beim Nutzer. Für die Internetanbieter wurde es also notwendig, die Abrechnungsmodelle zu ändern. Statt der früher (auch wegen der Verbindung über die Telefonleitung) relevanten Zeiteinheiten wurden Datenvolumen eingeführt, nach denen abgerechnet wurde.

Drosselung nach Überschreiten des Datenvolumens

Die gängige Praxis bei den Anbietern war es, eine „Flatrate“ zu propagieren, die in Wirklichkeit gar keine war, denn sie hatten ein maximales Datenvolumen, das genutzt werden konnte. Verbrauchte man mehr Daten, wurde die Verbindungsgeschwindigkeit entweder gedrosselt oder jedes weitere Bit wurde teuer in Rechnung gestellt. Dass dies mit einer echten Flatrate (also quasi dem „All you can eat“-Surfen) nicht viel zu tun hatte, sahen auch die Gerichte ein. Mit der Folge, dass im Festnetz eine Flatrate auch eine echte Flatrate sein muss. Im Mobilfunknetz ist das aber anders. Hier werden die Flatrates noch immer so genannt, beinhalten aber fast immer ein Datenvolumen. Wird dies überschritten, wird die Verbindungsgeschwindigkeit auf 64Kbps gedrosselt, was in etwa der alten ISDN-Geschwindigkeit entspricht.

Nichts geht mehr?

Nun wäre das noch zu verschmerzen, wenn es in erster Linie um das Aktualisieren von Textnachrichten oder ähnlichen Inhalten geht, die keine allzu hohen Übertragungsraten erfordern. Das ging früher ja auch und bei Einführung der UMTS-Telefone waren die Übertragungsraten auch nicht viel höher. Doch offenbar kommen moderne Smartphones nicht mit der Drosselung zurecht. Viele Nutzer berichten, dass nach einer Drosselung ihrer Flatrate überhaupt keine Daten mehr geladen werden. Die Mobilfunkbetreiber schieben dies auf die User, die offenbar viele Apps und Programme mit aktiver Datensynchronisation verwenden. Aber auch, wer die Datenfresser abschaltet, bekommt oft keine Verbindung mehr. Natürlich sind auch die mobilen Inhalte heute auf hohe Übertragungsraten abgestimmt, doch das erklärt nicht, warum die Verbindung oft komplett einfriert, wenn gedrosselt wurde. Nutzer von LTE-Handys scheinen davon besonders stark betroffen zu sein.

Flatrates sollten halten, was sie versprechen

Die einzige Möglichkeit, die Drosselung zu umgehen, ist in der Regel das Nachkaufen von Datenvolumen, was bei vielen Anbietern möglich ist. Dann zahlt man für weitere 500 MB eben noch einmal fünf Euro. Bei einigen Anbietern ist jedoch nicht einmal das möglich; dann hilft nur Abwarten, bis das Datenvolumen am Monatsende wieder zurückgesetzt wird oder der Wechsel in einen Tarif mit größerem Volumen – zu einem höheren Preis. Mit echter Flatrate hat das nach dem Gefühl vieler Nutzer aber nicht wirklich etwas zu tun.

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