Abgeltungsteuer

Wer Einkünfte aus seinem Privatvermögen erzielt und in Deutschland wohnt, muss dafür Steuern zahlen. Das war so, das ist immer noch so. Denn Einkünfte aus Kapitalvermögen zählen im Sinne des Einkommensteuergesetzes als Einkommen. Jedoch hat sich mit der Einführung der Abgeltungsteuer zum 1.1.2009 einiges geändert. Ziel dabei ist, die Besteuerung privater Kapitalerträge zu vereinheitlichen und zu vereinfachen.

Mit der Einführung der Abgeltungsteuer für Einkünfte aus Kapitalvermögen fällt die bisherige Kapitalertragsteuer weg. Wesentliche Neuerung ist, dass die Abgeltungsteuer nicht nur Zinserträge (z. B. aus Sparverträgen, Fest- oder Termingeldanlagen) betrifft, sondern auch Kursgewinne aus Aktienverkäufen oder Investmentfonds sowie Dividenden, für die zuvor unterschiedliche Regelungen existierten. Die Abgeltungsteuer wird für alle diese Einkunftsarten direkt bei der Gutschrift der Erträge vom jeweiligen Geldinstitut einbehalten und ans Finanzamt abgeführt. Damit ist die Steuerpflicht abgegolten.

Übrigens fallen auch Sparverträge über vermögenswirksame Leistungen sowie Bausparverträge unter die Regelungen der Abgeltungsteuer. Ausgenommen sind Riester-Verträge. Für sie fallen während der Ansparphase keine Steuern an. Erst ab Beginn der Auszahlungen sind diese zu versteuern, dann aber ganz „normal“ als Einkünfte mit dem individuellen Einkommensteuersatz.

Wie hoch ist die Abgeltungsteuer?

Generell werden mit der Abgeltungsteuer alle Einkünfte aus Kapitalvermögen einheitlich zu 25 Prozent versteuert. Hinzu kommen eventuell Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent), so dass die Abgeltungsteuer maximal 29 Prozent beträgt. Wenn Ihr individueller Einkommensteuersatz darunter liegt, können Sie sich die Differenz vom Finanzamt zurückholen.

Wie verhält es sich mit dem Sparer-Freibetrag?

Nach wie vor gibt es einen Freibetrag, für den Sie keine Abgeltungsteuer abführen müssen. Er heißt nur jetzt Sparer-Pauschbetrag und umfasst den vorherigen Sparer-Freibetrag von 750 Euro zuzüglich einer Pauschale von 51 Euro für Werbungskosten. Alles, was an Werbungskosten beispielsweise für Depotführungskosten, Fahrtkosten zum Anlageberater etc. darüber hinausgeht, wird nicht mehr eigens berücksichtigt.

Insgesamt sind also Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne von 801 Euro pro Person und Jahr von der Abgeltungsteuer ausgenommen und somit steuerfrei.

Der große Unterschied bei der Abgeltungsteuer betrifft Kursgewinne

Die größte Änderung ergibt sich durch die Einführung der Abgeltungsteuer bei Kursgewinnen. Diese mussten während der Spekulationsfrist bisher zur Hälfte versteuert werden und nach deren Ablauf von einem Jahr gar nicht. Die Spekulationsfrist und mit ihr der Freibetrag von 512 Euro pro Jahr für Kursgewinne entfällt, dafür gilt der Sparer-Pauschbetrag auch für Kursgewinne.

Steuerfrei sind künftig nur noch die Veräußerungsgewinne für Wertpapiere, die Sie vor dem 1.1.2009 gekauft haben und erst mindestens ein Jahr später wieder verkaufen. Hier gibt es jedoch zwei Einschränkungen. Die erste betrifft Zertifikate ohne Ertrags- oder Kapitalgarantie: Nur wenn diese vor dem 14.3.2007 gekauft wurden, sind alle daraus anfallenden Gewinne jenseits der Spekulationsfrist unbegrenzt steuerfrei. Wenn Sie solche Zertifikate zwischen dem 14.3.2007 und dem 1.1.2009 gekauft haben, sind Veräußerungserträge daraus nach Ablauf der Spekulationsfrist nur bis zum 30.6.2009 steuerfrei. Die zweite Einschränkung betrifft z. B. Spezialfondsanteile, deren Verkauf nach dem 1.1.2009 nur dann nicht der Abgeltungsteuer unterliegt, wenn sie vor dem 10.11.2007 gekauft wurden.

Tipps und Hinweise, um die Abgeltungsteuer möglichst gering zu halten:

Denken Sie daran, Freistellungsaufträge mit Ihrer Bank zu vereinbaren. Sie sind weiterhin notwendig, damit die Bank Ihnen Erträge im Rahmen des Sparer-Pauschbetrags steuerfrei gutschreiben kann.

Bestehende Freistellungsaufträge gelten weiter. Achten Sie darauf, sie anpassen zu lassen, wenn Ihr Ertrag die bisher vereinbarte Summe bei der nächsten Gutschrift übersteigen sollte.

Wenn Sie Aktien, Fonds oder andere Wertpapiere besitzen, lassen Sie sich am besten rasch von Ihrem Finanzberater darüber informieren, wo und wie Sie die Abgeltungsteuer für vor dem 1.1.2009 erstandene Wertpapiere eventuell noch vermeiden können und welche Anlagestrategien Sie künftig verfolgen sollten.

Wer von ein und derselben Wertpapierart nach dem 1.1.2009 weitere Anteile kauft, sollte auf jeden Fall ein zweites Depot einrichten, um die alten, steuerfreien Anteile von den neuen Anteilen trennen zu können.