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Gesundheit: Die IGel sind immer schon da

Gesundheit: Die IGel sind immer schon da

Nein, die Rede ist nicht vom Stacheltier aus dem Märchen mit dem Hasen. Und doch könnte man meinen, dass man bei den Ärzten immer häufiger auf die IGel trifft. Gemeint sind damit die sogenannten „individuellen Gesundheitsleistungen“. Diese Leistungen werden von den Ärzten angeboten, jedoch nicht von den Krankenkassen übernommen. Das bedeutet, dass der Patient bei Inanspruchnahme einer IGel zum Selbstzahler für diese Leistungen wird.

Immer mehr IGel werden angeboten

Im Jahre 2014 sollten rund 20 Millionen gesetzlich Versicherte für solche Zusatzleistungen zahlen, was rechnerisch also jeden dritten Versicherten betrifft. Die Tendenz ist steigend. Nun mag die Grundidee, die manchmal kargen Kassenleistungen durch sinnvolle privat bezahlte Gesundheitsleistungen zu ergänzen, gar nicht schlecht sein. Doch wie viele Experten immer wieder bemängeln, scheinen Sinn und Qualität der angebotenen IGel häufig zweifelhaft. Manche Untersuchungen könnten dem Patienten sogar schaden, so die Vermutung. Das kann zum einen an mit den Untersuchungen verbundenen Nebenwirkungen liegen, zum anderen aber auch an psychologischen Effekten, die durch sogenannte „Über-“ und „Fehldiagnosen“ entstehen könnten.

Rechtswidrige Praxis bei Abrechnung von IGel

Das alles wäre vermutlich gar nicht so schlimm, wenn sich Patienten bewusst und freien Willens für eine solche IGel entscheiden. In der Realität scheint es jedoch so zu sein, dass Ärzte ihre Patienten oft bewusst unter Druck setzen, eine individuelle Gesundheitsleistung in Anspruch zu nehmen. So gibt es Ärzte, die ihren Kassenpatienten offen sagen, dass sie eine Weiterbehandlung ablehnen, wenn die angebotenen IGel nicht genutzt werden. Das ist nicht nur ziemlich dreist, sondern auch gesetzwidrig, wie der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), betont. Dies gelte auch für Ärzte, die ihre Patienten nicht oder nur unzureichend über Sinn und Zusatzkosten der Leistungen aufklärten. Richtig problematisch sind jedoch die Fälle, in denen Ärzte vor der Erbringung einer zahlungspflichtigen Zusatzleistung nicht die Zustimmung des Patienten einholen und ihn anschließend quasi vor vollendete Tatsachen stellen. Studien zufolge soll das auf über 40 Prozent der Ärzte zutreffen. Noch dreister sind jene, die nicht einmal eine ordentliche Rechnung für die IGel ausstellen. Rund ein Zehntel der Ärzte scheint so zu verfahren, so die Krankenkassen.

Nicht alle IGel sind sinnlos

Dennoch gibt es auch IGel, bei denen die Meinungen der Fachleute auseinander gehen. So kann für bestimmte Patientenkreise die nicht von den Kassen bezahlte Augeninnendruckmessung zur Erkennung eines Glaukoms (Grüner Star) Sinn machen, während sie für andere relativ nutzlos ist. Weiterhin fehlen für viele Angebote wissenschaftliche Langzeiterhebungen über den Sinn mancher Maßnahmen. Paradebeispiel ist der sogenannte PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs, bei dem die Ärzte extrem geteilter Meinung sind. Vielleicht würde es helfen, wenn die Krankenkassen sich mit den Ärzten auf „sinnvolle“ IGel verständigen und entsprechende Standards einführen. Denn im Moment kann im Prinzip jeder Arzt eine beliebige IGel erfinden, selbst wenn sie überhaupt keinen Nutzen für den Patienten birgt.

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