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Grundstückskauf: Steuervorteile richtig nutzen

Grundstückskauf: Steuervorteile richtig nutzen

Wer sich ein Grundstück kauft, kann die erforderlichen Aufwendungen dafür als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung beim Finanzamt geltend machen. Die Frage ist, was genau darunter zu verstehen ist. Die Überraschung: Es ist oft mehr möglich, als man denkt.

Was zählt zu den Anschaffungskosten?

Die Anschaffungskosten, die für Abschreibungen dieser Werbungskosten steuerliche Berücksichtigung finden, sind nicht sehr genau definiert. Vermutlich sind darauf auch die häufigen Streitigkeiten zwischen Finanzamt und Steuerzahlern zurückzuführen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass sämtliche Aufwendungen, die für einen Immobilienerwerb geleistet werden, dafür infrage kommen. Dazu zählen auch solche Ausgaben, die getätigt werden, um das Grundstück in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. Das betrifft also nicht nur den reinen Kaufpreis, sondern auch andere Verpflichtungen, die aus dem Kauf hervorgehen können. Das können beispielsweise Verbindlichkeiten oder Rentenzahlungen sein, zu denen der vorige Grundstückseigentümer verpflichtet war. Ebenfalls zu diesen Kosten gehören sämtliche Anschaffungsnebenkosten, also etwa die Grunderwerbssteuer oder Gebühren, die von der Stadt oder Gemeinde erhoben wurden. Vom Einzelfall abhängig sind besondere Nebenkosten, die beispielsweise beim Abriss eines auf dem Gelände vorhandenen Gebäudes entstehen können.

Zahlungen an Gläubiger ebenfalls absetzbar?

Doch was passiert, wenn es noch Gläubiger gibt, die dem Verkauf eines Grundstücks an den Neueigentümer widersprechen? Können die Kosten aus der Begleichung der Schulden ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden? Nein, sagte das Finanzamt einem Betroffenen, der das aber nicht einfach hinnehmen wollte. Er beschritt den Rechtsweg durch alle Instanzen, weswegen sich schließlich der Bundesfinanzhof (BFH) mit der Frage beschäftigen musste. Im vorliegenden Fall hatte der Steuerpflichtige von seinem Vater ein (teilweise vermietetes) Grundstück gegen Übernahme der finanziellen Verpflichtungen erworben. Einer der Gläubiger des Vaters sah in dem Verkauf eine Benachteiligung und erreichte ein Urteil gegen den Käufer, das ihn zur Zahlung von 113.000 Euro verpflichtete. Diesen Betrag wollte der Steuerpflichtige nun folgerichtig beim Finanzamt als nachträgliche Anschaffungskosten für das fragliche Grundstück absetzen, was die Behörde allerdings ablehnte.

Bundesfinanzhof entscheidet zugunsten der Steuerzahler

Sowohl das Finanzgericht als auch in der Folge der Bundesfinanzhof gaben dem Steuerzahler Recht und stellten klar, dass die Zahlungen an den Gläubiger als nachträgliche Anschaffungskosten zu berücksichtigen seien. Zur Begründung sagten die Richter, dass die Abschreibungen als Werbungskosten geltend gemacht werden könnten, da eine „uneingeschränkte Verfügungsmacht“ des Käufers über das Grundstück erst durch die Begleichung dieser Schulden möglich geworden sei. Daraus ergibt sich für ähnlich gelagerte Fälle, dass auch Kosten berücksichtigt werden müssen, die sich aus einem möglichen Erbbaurecht oder Wohnrecht ergeben, die man bei Übernahme eines Grundstücks ggf. erfüllen muss. Kommt es deswegen zu einem Rechtsstreit gegen den Grundstückskäufer, sind auch diese Kosten laut dem Urteil des BFH absetzbar (Az. IX R 56/06).

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