0

Der Abschluss einer Restschuldversicherung klingt immer plausibel. Falls der Kreditnehmer arbeitslos oder arbeitsunfähig wird – oder sogar sterben sollte – sollen damit die Kosten für den Kredit abgedeckt werden. Das klingt in der Theorie sehr gut, doch ergeben sich in der Praxis oft Probleme, wenn die Versicherung wirklich zahlen soll. Deswegen und weil die Restschuldversicherungen in der Regel extrem teuer sind, werden sie von den meisten Finanzexperten als unnötiger Luxus eingestuft, auf den man gut verzichten könnte.

Teures Zusatzgeschäft

Für die Banken lohnt sich das Zusatzgeschäft, weswegen viele Kreditinstitute den Abschluss dieser Restschuldversicherungen sehr nachhaltig empfehlen. Doch die Kosten können stärker zu Buche schlagen, als es auf den ersten Blick auffällt. Laut den Erläuterungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht lassen die Banken den Kunden meist freie Wahl, ob eine solche Versicherung zusammen mit dem Kreditvertrag abgeschlossen wird oder nicht. Deren Kosten müssen demnach nicht in den effektiven Jahreszins einbezogen werden. Und hier liegt der Hase im Pfeffer begraben. Denn wenn man die Kosten auf den Jahreszins umrechnen würde, käme bei so manchem Kreditvertrag plötzlich eine Verdoppelung des effektiven Jahreszinses heraus – und das nur wegen der freiwilligen Restschuldversicherung. Nur in den Fällen, wo die Bank explizit auf den Abschluss einer Versicherung besteht, muss sie die Kosten dafür in den effektiven Jahreszins einrechnen. Hier werden die immensen Kosten dann sehr schnell offensichtlich.

Wann zahlt die Versicherung überhaupt?

Ein weiteres Problem sind die Fälle, in denen die Restschuldversicherung gar nicht erst zahlt. So sind in der Regel die ersten drei Monate ausgenommen oder bei Arbeitslosigkeit nur bis zu zwölf Monate abgedeckt. Bleibt der Kreditnehmer also länger arbeitslos oder wird gar wenige Wochen nach Abschluss der Restschuldversicherung arbeitsunfähig, wird nicht gezahlt. Verbraucherschützer sehen dies ähnlich kritisch und bemängeln, dass diese Versicherungen gerade dann nicht zahlen, wenn es am nötigsten wäre. Zur Absicherung der Kreditforderungen sind daher Unfall- oder Lebensversicherungen oft besser geeignet, so die Empfehlung der Verbraucherzentralen. Eine Ausnahme gibt es jedoch bei der Baufinanzierung. Hier kann eine Restschuldversicherung sinnvoll sein, um Hinterbliebene im Todesfall abzusichern. Wurden die Kreditraten nur von einem Familienmitglied bezahlt, springt die Restschuldversicherung – je nach Vertragsgestaltung – komplett oder zumindest zu einem großen Teil ein.

Vertrag muss nicht bei der Bank abgeschlossen werden

Große Unterschiede gibt es bei den Kosten für eine Restschuldversicherung. Die Stiftung Warentest hat ermittelt, dass zwischen dem günstigsten Anbieter und dem teuersten Anbieter (bei vergleichbarer Leistung) eine Differenz von bis zu 300 Prozent liegen kann. Die Warentester empfehlen den Kunden, nicht nur auf die Raten im ersten Jahr zu achten, da die Folgejahre oft teurer sind. Unter dem Strich ist der Barwert aller anfallenden Beträge entscheidend. Was Kunden oftmals nicht wissen: Sie müssen eine Restschuldversicherung nicht bei dem Kreditinstitut abschließen, von dem der Kredit kommt. Man kann den Vertrag auch bei einem unabhängigen Versicherer abschließen.

Kommentare sind deaktiviert.