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Niedrige Ölpreise: Lohnt sich eine neue Ölheizung?

Niedrige Ölpreise: Lohnt sich eine neue Ölheizung?

Noch vor wenigen Jahren war der Trend eindeutig: Öl wurde immer teurer und das Heizen mit Öl für manche Haushalte beinahe unbezahlbar. Die Umrüstung auf alternative Energien oder zumindest Gasheizungen schien die langfristig kostengünstige Alternative zu sein. Seit einiger Zeit sind die Ölpreise jedoch auf einer Talfahrt. Grund dafür ist vor allem der Preiskrieg zwischen der amerikanischen und arabischen Ölindustrie. Galten die USA über Jahrzehnte hinweg als absolut abhängig von ausländischem Öl, haben neue Fördertechniken wie das oft kritisierte Fracking zu einem neuen Ölboom geführt, der die USA nicht nur unabhängiger von Energieimporten gemacht hat, sondern die Supermacht sogar zu einem der größten Exporteure des schwarzen Goldes befördert. Da die Saudis und andere mächtige Ölproduzenten ihre Absatzmärkte schrumpfen sehen (zumal Chinas Wirtschaftskrise den dortigen Absatz stark eingeschränkt hat), entstand eine Preisspirale, die ausnahmsweise nach unten geht. Kein Wunder, dass sich viele fragen, ob es sich unter diesen Umständen lohnt, eine neue Ölheizung anzuschaffen.

Krisen lassen den Ölpreis nicht mehr steigen

Früher war jede noch so kleine Krise im Nahen Osten Grund für eine Panik an den Ölmärkten, obwohl es – abgesehen vom Embargo in den 70er Jahren – bei keiner Krise und keinem Krieg je zu einer echten Verknappung von Rohöl gekommen ist. Offenbar scheint sich an den Märkten die Erkenntnis durchzusetzen, dass die Welt nicht länger vom Öl aus Arabien abhängig ist und daher die übertriebene Paranoia unangebracht ist, die für einen Großteil der Preissprünge verantwortlich war. Angesichts der derzeitigen Kriege in der Region eigentlich bemerkenswert. Hersteller von Ölheizungen verzeichnen jedenfalls einen Zuwachs von rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Argumente wie der Klimawandel sind angesichts der verlockenden Niedrigpreise offenbar ausgeblendet. Den Verbrauchern kann man das nach der Zeit der hohen Preise kaum vorwerfen. Aber ist diese Strategie langfristig sinnvoll? Es kommt darauf an, meinen Experten.

Ölheizungen modernisieren kann Sinn machen

Wer bereits eine Ölheizung hat, die einige Jahre oder Jahrzehnte in Betrieb war, für den kann sich eine Modernisierung angesichts der vorhandenen Infrastruktur (also vor allem Öltank und Brenner) durchaus lohnen. Auch vom umweltpolitischen Standpunkt her ist eine moderne und effizientere Ölheizung stets besser als eine alte, die zu viel verbraucht und mehr Schadstoffe erzeugt. Doch es ist fraglich, ob sich deswegen gleich ein Umstieg auf Ölheizungen lohnt, wenn man vorher beispielsweise mit Gas geheizt hat. Denn wie lange die Ölpreise auf niedrigem Niveau bleiben werden, ist ungewiss. Jederzeit könnte sich das Fähnchen wieder im Wind drehen, etwa wenn China sich sehr schnell wirtschaftlich erholt oder die Nachfrage aus anderen Gründen steigt. Auch die Nachhaltigkeit der amerikanischen Ölproduktion ist nicht gesichert, denn die Vorkommen, die durch Fracking ausgebeutet werden können, sind natürlich – wie alle Ölvorräte – begrenzt. Verbraucher sollten deswegen Weitsicht besitzen und sich nicht auf das Versprechen dauerhaft niedriger Ölpreise verlassen. Dieser Schuss könnte nach hinten losgehen.

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