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Preiskrieg der Discounter beschert günstige Lebensmittel

Preiskrieg der Discounter beschert günstige Lebensmittel

Immer wieder sieht man auf Facebook und anderen Social Media Plattformen Bilder, bei denen die gute alte D-Mark gepriesen wird, weil man in den 80er Jahren für 50 Mark mehr im Einkaufswagen gehabt haben soll als heute für 100 Euro. Dass dieser Vergleich schon wegen des zeitlichen Abstands und der Inflationsrate (unabhängig von der Währungsfrage) hinkt, wird dabei gerne übersehen. Immerhin hat 1995 auch niemand die Preise von 1960 zum Vergleich herangezogen. Aber auch rein rechnerisch stimmt das nicht. Lebensmittel sind im Verhältnis zum Einkommen heute billiger denn je, was nicht zuletzt am heftig geführten Preiskrieg der Discounter liegt.

Viele Produkte werden billiger

Oft werden die Kunden selbst gescholten, wenn etwa mangelnde Qualität von Fleischprodukten das Thema ist. Weil Qualität Geld kosten muss, kann man für wenig Geld keine gute Qualität erwarten. Was sicher nicht rundheraus falsch ist, kann aber gerade im Lebensmittelhandel nicht pauschal bejaht werden. Sicher ist es richtig, dass gerade die Fleischproduzenten unter großem Kostendruck stehen und die Qualität der Produkte darunter leiden kann (aber nicht muss). Bei anderen Produkten (wie etwa der Milch) gibt es so gut wie keine messbaren Qualitätsunterschiede zwischen Discounterprodukten und hochpreisigen Premiummarken. Gerade die Milch ist derzeit zum Zankapfel geworden, denn die Erzeugerpreise sind momentan extrem niedrig, was die Milchbauern in große Nöte bringt. Die Schuld des Verbrauchers ist das jedoch nicht, denn die Überkapazitäten, die von der Milchindustrie in den vergangenen Jahren angehäuft wurden, rächen sich nun durch den Wegfall großer Absatzmärkte in China und Russland. Während in China die Wirtschaftslage die Nachfrage nach deutschen Milchprodukten zurückgehen lässt, schlägt in Russland das Embargo wegen der Ukraine-Krise durch.

Kunden verlangen nach mehr Qualität

Dennoch geht es nicht nur um Milch und kurzfristige Marktlagen, wenn die Discounter in den Preiskrieg ziehen. Die Kunden, die vor wenigen Jahren noch nach dem Motto „Geiz ist geil“ nur noch billig wollten, möchten inzwischen einfach nur gute und hochwertige Lebensmittel. Dass es die durchaus auch im Discounter-Segment gibt, ist bekannt. Doch viele Kunden verlagern ihren Einkauf wieder zu Markenprodukten, die es bei den großen Supermärkten ebenso gibt wie die günstigen Handelsmarken, die mit der Discounterware konkurrieren. Ergo müssen die Discounter wie Aldi und Lidl nachziehen und nehmen immer mehr Markenprodukte in ihr Sortiment auf. Um einen Anreiz zu schaffen, diese auch beim Discounter einzukaufen, sinken die Preise für viele Markenprodukte derzeit extrem. Senkt Penny die Preise für Nutella, ziehen die anderen nach und umgekehrt. Ständig wird sich bei den Produktpreisen unterboten, was sich für die Kunden an der Kasse mit einem volleren Einkaufswagen für weniger Geld auszahlt. Man muss eben auch nicht alles glauben, was bei Facebook gepostet wird.

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