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Quo vadis, Lebensversicherung?

Quo vadis, Lebensversicherung?

„Wohin gehst du“ ist eine alte lateinische Phrase, die mittlerweile auch auf das einstmals beliebteste Altersvorsorgeprodukt der Deutschen anwendbar ist. Denn die großen Versicherer wollen sich offenbar von der klassischen Kapitallebensversicherung mit Garantiezins verabschieden. Was bedeutet das aber für die Versicherten? Sollten sie angesichts niedriger Zinsen vielleicht jetzt sogar ihre bisherige Lebensversicherung zugunsten eines neuen Produkts aufgeben?

Absicherung und Altersvorsorge

Grundsätzlich gibt es zwei Hauptformen der Lebensversicherung. Die sogenannte Risiko-Lebensversicherung dient ausschließlich der Absicherung von Hinterbliebenen (oder anderen Personen, die der Versicherte als Begünstigte benennen kann). Sie wird über eine bestimmte Summe abgeschlossen, die beim Ableben des Versicherungsnehmers ausgezahlt wird. Eine Verzinsung gibt es nicht, und die angesparten Beiträge gehen dem Versicherten insofern verloren, als dass er nicht von der Auszahlung profitieren würde. Anders sieht es bei der Kapital-Lebensversicherung aus. Hier wird ebenfalls eine Absicherung der Hinterbliebenen im Todesfall über eine bestimmte Summe vereinbart. Darüber hinaus werden die Beiträge des Versicherten aber angespart, wobei alles, was über die Versicherungssumme hinausgeht, verzinst wird. Nach Ende der Laufzeit wird dann der gesamte Betrag (inklusive Verzinsung) ausgezahlt, sofern der Todesfall nicht vorher eintritt. Für den Versicherten hat diese Variante also den Vorteil, dass er die Lebensversicherung als Altersvorsorge nutzen kann.

Niedrige Zinsen machen Lebensversicherung unrentabel

Da die Zinsen seit Jahren auf einem Rekordtief verharren, sind die Renditen der Kapital-Lebensversicherung entsprechend gesunken. War sie früher fester Bestandteil der Altersvorsorge, investieren viele Menschen heute in andere Produkte, die höhere Renditen versprechen. Zudem haben die Versicherungskonzerne das Problem, dass sie den Garantiezins von 1,75 Prozent auch dann zahlen müssen, wenn sie selbst diesen Zins gar nicht erwirtschaften können. Die großen Versicherungsunternehmen machen sich daher Gedanken um eine Reform des Produkts. Sowohl die Allianz als auch die Ergo Versicherung bringen neue Lebensversicherungs-Varianten auf den Markt, die keinen Garantiezins im herkömmlichen Sinne mehr kennen. Statt dessen wird nur der Erhalt der eingezahlten Beträge garantiert. Die Zinsen sollen hingegen flexibel angepasst werden können. Beim Modell der Allianz soll nur in den ersten Jahren ein Garantiezins gezahlt werden, der später ebenfalls variabel wird. Verbraucherschützer warnen Versicherte vor einem Umschwenken auf diese Produkte. Die Gesamtleistung einer Lebensversicherung mit variablen Zinserträgen wäre für den Kunden kaum zu berechnen. Eine sichere Altersvorsorge stellen sich viele Deutsche anders vor. Die Empfehlung der Verbraucherschützer ist daher klar: Bestehende Verträge in keinem Fall ändern – die Versicherungen können dies nicht verlangen und eine nachträgliche Änderung der Zinshöhe ist in den Verträgen auch nicht vorgesehen.

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