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Nur wenige Bürger wissen, dass sie sich für die Pflege von Angehörigen unbezahlt freistellen lassen können. Diese Pflegereform wurde bereits im Juli 2008 von der Großen Koalition eingeführt. So haben Arbeitnehmer, welche sich beispielsweise um eine gebrechliche Mutter oder einen dementen Vater kümmern, die Option, bis zu sechs Monate aus dem Beruf auszusteigen, weiterhin versichert zu bleiben und das Recht auf Kündigungsschutz genießen zu können. Natürlich hilft das nur wenigen, da sie in diesem Zeitraum kein Einkommen beziehen. Daher hat die Bundesregierung diese Reform jetzt modifiziert und ein Gesetz für eine Familienpflegezeit verabschiedet. Damit können Arbeitnehmer die Pflege ihrer Angehörigen und ihre Arbeit in Zukunft besser in Einklang bringen.

Ab 2012 sollen Arbeitnehmer zur Pflege eines Angehörigen eine Sonderregelung für ihre Arbeitszeiten und Gehälter in Anspruch nehmen können. Das Bundeskabinett beschloss Mitte März einen Gesetzentwurf für eine Familienpflegezeit zum nächsten Jahr, der es Angestellten ermöglicht, für einen Zeitraum von zwei Jahren ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden zu verringern, wenn sie einen Angehörigen pflegen. So kann ab 2012 ein Vollzeitbeschäftigter zum Beispiel um die Hälfte weniger arbeiten. Das Einkommen beträgt während dieser Pflegephase 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens.
Zur Amortisierung muss der Arbeitnehmer im Anschluss an die Pflegezeit wieder in Vollzeit arbeiten, bezieht aber weiterhin nur 75 Prozent seines Einkommens, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist. Die Rentenansprüche sollen dennoch annähernd auf dem alten Stand bestehen bleiben.

Laut Familienministerin Kristina Schröder hätten die ersten Unternehmen die Familienpflegezeit schon vor Inkrafttreten des Gesetzes eingeführt, da der Bedarf bereits heute schon groß ist. Das Familienministerium gibt an, dass von den 2,38 Millionen Bürgern in der Bundesrepublik, welche Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen, mehr als 1,6 Millionen Menschen daheim gepflegt werden.

Was die höheren Einkommenszahlungen der Unternehmen betrifft, so werden diese aus der Bundeskasse vorgestreckt. Wenn zum späteren Zeitpunkt die Zahlungen ausgeglichen sind, müssen die Unternehmen das Geld wieder erstatten. Damit die Risiken einer Erwerbsunfähigkeit verringert werden, sollen diejenigen, die von der Familienpflegezeit Gebrauch machen, eine Versicherung abschließen. Bei einem Bruttogehalt von 3 000 Euro inklusive Sozialabgaben beläuft sich die Versicherungssumme auf etwa 15 Euro pro Monat.

Positiv an der Modifizierung der Pflegereform ist auf jeden Fall, dass die Familienpflegezeit besonders dem Bedürfnis pflegender Angehöriger zu Gute kommt, da sie so berufstätig bleiben können und Pflegeaufgaben ohne immense Gehaltsverluste wahrnehmen können. Natürlich bedeuten 25 Prozent weniger Gehalt gewisse Einbußen und für den einen oder anderen ist es nicht leicht, mit diesem verringerten Einkommen über die Runden zu kommen. Doch mit diesem Gesetz wird zumindest ein richtiger Schritt bei der Neuausrichtung der Pflege unternommen.

Sozialverbände und Gewerkschaften monieren jedoch, dass dem Gesetz der Rechtsanspruch auf die Pflegezeit fehlt. So muss der Beschäftigte erst die Zustimmung des Arbeitgebers einholen. Positiv ist jedoch, dass der Kündigungsschutz im Familienpflegezeitgesetz nach dem Vorbild des Elterngeldes ausgerichtet werden soll. Ein ebenfalls günstiger Aspekt ist auch, dass das Familienpflegezeitgesetz und das Pflegezeitgesetz parallel bestehen und miteinander gekoppelt werden können.

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