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Riester-Rente soll nach Willen der Versicherer stärker gefördert werden

Riester-Rente soll nach Willen der Versicherer stärker gefördert werden

Die niedrigen Zinsen in Europa sind ein Problem für die Versicherer in Deutschland. Durch die sehr niedrigen Renditen, die zum Teil nicht mal mehr die Inflationsrate ausgleichen und somit bisweilen bereits ein Minusgeschäft für den Kunden darstellen können, leiden sie unter einem extremen Rückgang des Sparwillens bei den Bürgern. Daher fordern die Versicherungen jetzt von der Bundesregierung, regulierend tätig zu werden.

Altersvorsorge wird problematisch

Die Riester-Rente wird vom Staat mit Zuschüssen gefördert. Sie sollte als Prestigeprojekt der damaligen rot-grünen Bundesregierung einen erheblichen Beitrag zur privaten Altersvorsorge leisten. Hintergrund dafür ist die demografische Entwicklung der Bevölkerung. Immer mehr Menschen werden älter und sollen ihre Renten von immer weniger aktiv Beschäftigten finanziert bekommen – dies kann so nicht mehr funktionieren. Versorgten früher mehrere Arbeitnehmer einen Rentner mit ihren Beiträgen, muss in Zukunft ein Arbeitnehmer bereits für mehrere Rentner aufkommen. Und die eigene Altersvorsorge dieser Arbeitnehmer steht dabei noch in den Sternen. Klar ist: Die staatlichen Leistungen werden nicht mehr ausreichen, um einen finanziell abgesicherten Ruhestand genießen zu können. Damit sich das Sparen für die Bürger auch lohnt, unterstützt der Staat die (nach dem damaligen Arbeitsminister Riester benannte) Sparvariante, nach der jeder Bürger eine Förderung für entsprechende Finanzprodukte beanspruchen kann.

Nächste Krise vorprogrammiert?

Das Problem liegt nun in der Niedrigzinspolitik der EZB. Sie soll eigentlich dafür sorgen, dass sich die angeschlagenen Banken zu geringen Kosten selbst Geld leihen können. Damit möchte die Zentralbank eine sogenannte Kreditklemme vermeiden, denn wenn die Banken selbst kein Geld mehr haben, können sie auch keines an die Kunden und Unternehmen verleihen. Doch die Medaille hat zwei Seiten. Während die Kreditinstitute sich von der EZB beinahe zum Nulltarif Geld leihen können, sinken auch die Zinsen für Geldanlagen rapide ab. Dies hat in den vergangenen Jahren zu einem Abrutschen der Sparquote geführt, so der Branchenverband der Versicherer. Deren Präsident, Alexander Erdland, erklärte gegenüber der „Rheinischen Post“, dass der Staat sowohl die Zulage als auch das förderfähige Volumen bei der Riester-Rente erhöhen müsse. Die private Altersvorsorge müsse gestärkt werden, so Erdland. Die EZB habe mit ihren niedrigen Zinsen dafür gesorgt, dass die Schuldenberge in den Krisenstaaten Europas weiterhin anwachsen würden und überdies die Reformmüdigkeit dieser Länder „provoziert“. Durch die Niedrigzinspolitik entstünden außerdem spekulative Blasen, wie es sie bereits in der Vergangenheit bei ähnlicher Geldpolitik gegeben habe. Die nächste Krise sei durch die EZB also bereits selbst vorprogrammiert, meint Erdland weiter.

Tagesgeld verliert ebenfalls an Attraktivität

Statt in die Riester-Rente investieren viele Sparer (wenn überhaupt) inzwischen lieber in vergleichsweise sichere Tagesgeld-Anlagen. Sie haben den Vorteil, dass das Geld nicht über längere Zeit festgelegt ist und kurzfristig wieder verfügbar gemacht werden kann. Was früher schon quasi als Geheimtipp galt, hat sich aber inzwischen ebenfalls durch die niedrigen Zinsen relativiert. Als unfair sehen viele Verbraucher auch die Zinspolitik ihrer Hausbanken an. Während diese für ihre eigenen Kredite fast nichts mehr zahlen müssen, werden private und mittelständische Kunden von ihren Banken gemolken wie eh und je. Ganz besonders schlimm ist dies beim Dispokredit für Girokonten, wo sich die Politik bislang schwer tut, eine „Zinsbremse“ gesetzlich einzubauen.

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