0
Späterer Renteneintritt durch Flüchtlingskrise?

Späterer Renteneintritt durch Flüchtlingskrise?

Die Flüchtlingskrise ist das beherrschende Thema, das den Sommer über die Medien und Menschen in Deutschland und aller Welt beschäftigt hat. Da eine Entspannung trotz der verschiedenen Anstrengungen der Regierung nicht in Sicht ist, bleibt die Frage nach den langfristigen Auswirkungen der Aufnahme so vieler Flüchtlinge. Ganz unabhängig von der Frage, wer bleiben darf und wer überhaupt kommen soll und wer nicht, stellen die bereits angekommenen Flüchtlinge einen immensen Kostenfaktor dar, der sich schon allein aus der unmittelbaren Pflicht zur Versorgung der Menschen ergibt. Deutschland veranschlagt diese zusätzlichen Kosten für das laufende Jahr mit rund sechs Milliarden Euro, die den Haushalt zusätzlich belasten werden.

Woher kommt das Geld?

Im Moment kann Deutschland sich das leisten, da die Kosten für dieses Jahr durch die hohen Steuereinnahmen gedeckt werden können. Doch auf lange Sicht könnte ein solcher Kostenfaktor sicher nicht aus der Portokasse bezahlt werden. Die Frage ist, woher das Geld kommen wird, wenn für die Flüchtlingskrise tatsächlich keine Steuererhöhungen durchgeführt werden sollen, wie Bundesfinanzminister Schäuble (CDU) derzeit noch verspricht. Ob er das halten kann, steht auf einem anderen Blatt. Wirtschaftsexperten machen sich Gedanken darüber, woher die Summen kommen könnten, wenn die Krise anhält oder gar noch größer wird. Will man neue Schulden im Bundeshaushalt vermeiden, so kommt für die Bewältigung der Zusatzkosten nach Ansicht von Niklas Potrafke, Haushaltsexperte des renommierten Ifo-Instituts in München, vor allem eine Erhöhung des Renteneintrittsalters in Betracht. Sowohl eine Steuererhöhung als auch eine Neuverschuldung würden gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung Deutschlands haben, warnt Potrafke. Im Hinblick auf die Schuldenkrise anderer Länder erscheint die Warnung vor dem Schuldenmachen durchaus auch plausibel. Doch was bedeutet eine solche Erhöhung des Renteneintrittsalters konkret für die deutschen Bürger?

Keine Änderungen für aktuelle Rentner

Mit rund 82 Milliarden Euro jährlich ist die Alterssicherung einer der größten Posten im gesamten Bundeshaushalt. Hier zu sparen erscheint vielen Wirtschaftsexperten daher opportun. Da eine Rentenkürzung nicht angedacht wird, bleibt die Möglichkeit, zukünftigen Rentengenerationen ein späteres Eintrittsalter zuzumuten. Schon in der Vergangenheit war die Rente mit 67 mehrfach im Gespräch. Wichtig dabei ist, dass eine solche Änderung des Renteneintrittsalters nicht die derzeitige Rentengeneration treffen würde, sondern sich erst auf zukünftige Generationen auswirken soll, die heute noch im Berufsleben stehen. Angesichts des höheren Lebensalters und des damit verbundenen demografischen Wandels hält der Experte ein späteres Eintrittsalter ohnehin für zwingend notwendig. Damit wären die erst vor kurzer Zeit von der großen Koalition beschlossenen Sonderregelungen zur Frühverrentung hinfällig. Danach können Arbeitnehmer, die 45 Jahre eingezahlt haben, bereits mit 63 Jahren in Rente gehen, ohne Abschläge hinnehmen zu müssen. Das Versprechen einer Rente mit 63 Jahren hält Potrafke dann auch folgerichtig für einen schweren Fehler der Regierung. Ganz entschieden bestreitet das Ifo-Institut in diesem Zusammenhang übrigens den Vorwurf, dass man die Flüchtlinge gegen die Rentner ausspielen wolle. Diesen Eindruck hatten Berichte in diversen Medien offenbar vermittelt. Laut Potrafke gehe es eben genau nicht um die derzeitigen Rentner, die ergo auch keinerlei Einschränkungen durch die Flüchtlingskrise zu befürchten hätten.

Kommentare sind deaktiviert.