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Trotz Rücklagen: Gesetzliche Krankenkassen erhöhen Beiträge

Trotz Rücklagen: Gesetzliche Krankenkassen erhöhen Beiträge

Obwohl die Krankenkassen seit einiger Zeit Rücklagen in Milliardenhöhe bilden konnten, was vor allem auf die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt und den damit verbundenen zusätzlichen Beiträgen zurückgeführt wird, steht im neuen Jahr eine neue Preisrunde für die Mitglieder gesetzlicher Krankenversicherungen an. Den Anfang macht in diesen Tagen die größte deutsche Krankenkasse, die TKK (Techniker Krankenkasse). Sie wird vermutlich eine Erhöhung um 0,2 Prozent aussprechen, die auf die Versicherten zukommt. Es geht dabei explizit um den Zusatzbeitrag, den gesetzliche Krankenkassen erheben können, um ihre Kosten zu decken. Damit haben die Versicherungen die Möglichkeit, trotz der gesetzlich vorgeschriebenen Beitragssätze einen zusätzlichen Obolus von den Mitgliedern zu erheben.

Wie teuer wird es?

Bei der TKK bedeutet die Anhebung um 0,2 Prozentpunkte, dass ihr Zusatzbeitrag dann auf insgesamt 1,0 Prozent steigt. Damit liegt der Gesamtbeitrag für den Versicherten bei 15,6 Prozent des Einkommens. Das ist auch in etwa das, was das Bundesgesundheitsministerium für das kommende Jahr prognostiziert hat. Eigentlich ist der Beitrag auf 14,6 Prozent gedeckelt, doch durch die Zusatzbeiträge können die Krankenkasse ihre Einnahmen aufbessern, falls ihnen das nötig erscheint. Für Versicherte ist das besonders deswegen ärgerlich, weil der Zusatzbeitrag alleine vom Arbeitnehmer getragen werden muss, während der normale Krankenkassenbeitrag je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt wird. Auch wegen dieser Regelung halten Verbraucherschützer die Zusatzbeiträge für wenig kundenfreundlich im Sinne der Versicherten. Zudem fordern sie, dass zunächst die milliardenschweren Rücklagen genutzt werden sollten, bevor die Beiträge steigen. Ein Appell, der jedoch vermutlich ungehört bleiben wird.

Lohnt ein Wechsel zu einer anderen Krankenkasse?

Prinzipiell kann jeder Versicherte bei einer Erhöhung der Zusatzbeiträge seine Krankenkasse wechseln. Allerdings sollten sich die Betroffenen darüber klar sein, dass die TKK nicht die einzige Krankenkasse ist, die ihre Beiträge für das kommende Jahr erhöhen wird. Einige andere Krankenkassen haben ähnliche oder sogar größere Preissprünge angekündigt. Es gibt aber auch gesetzliche Krankenkassen, die ihre Beiträge zunächst nicht erhöhen wollen. Wer über einen Wechsel nachdenkt, muss aber nicht nur die Zusatzbeiträge vergleichen, sondern auch die Leistungen. Zwar gilt für gesetzliche Krankenkassen, dass alle den gleichen Mindeststandard beim Leistungskatalog erbringen müssen, doch bei den Zusatzleistungen unterscheiden sich die Angebote zum Teil erheblich. Das kann sich beispielsweise auf die Zuzahlungen für bestimmte Behandlungen oder Medikamente auswirken oder auch auf Zusatzangebote wie Yogakurse, Homöopathie oder eine Rückenschule. Wenn ein Versicherter mit seiner Kasse ansonsten zufrieden ist und die Leistungen stimmen, sollte der Wechsel nicht unbedingt die erste Wahl sein. Dies gilt vor allem auch deswegen, weil zu erwarten ist, dass mittelfristig alle Krankenkassen bei der Erhöhung nachziehen werden. Dass die Zusatzbeiträge in absehbarer Zeit wieder sinken könnten, wird von Experten derzeit als eher unwahrscheinlich angesehen. Trotzdem können sich genaue Vergleiche im Zweifel für den Versicherten lohnen.

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