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Unisex Tarife

Momentan zielt die Versicherungsbranche vor allem auf ein Thema ab. Die Umstellung auf die sogenannten Unisex-Tarife. Darunter versteht man die vom Geschlecht unabhängige Bewertung von Risiken, die eine Versicherungsgesellschaft bei einem Vertrag eingeht. Wie bisher werden auch weiterhin Faktoren wie Alter und andere persönliche Risiken berücksichtigt. Die Unterscheidung zwischen Mann und Frau darf künftig aber keine Rolle mehr spielen, so ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom März. Betroffen davon sind beispielsweise Verträge für Unfall- und Lebensversicherungen, aber auch Policen für Pflege, Berufsunfähigkeit und Kraftfahrzeuge zählen dazu. Wie bei solchen rechtlichen Änderungen üblich, werden die Versicherungsgesellschaften nicht müde, den Kunden einen „rechtzeitigen“ Wechsel zu empfehlen, um sich vor den Unisex-Tarifen zu retten. Doch ist das überhaupt sinnvoll?

Ursprüngliche Planung beibehalten

Grundsätzlich sollten Kunden sich nicht von der generellen Planung abbringen lassen. Wer also aktuell dringend einen neuen Vertrag benötigt, sollte dies nicht von der Neuregelung abhängig machen, sondern seine Tarife nach Bedarf abschließen. Aber auch beim Neuabschluss ist längst nicht immer sicher, dass man vor Unisex gerettet ist. Beispiel Rürup-Verträge: Wer vor dem 21. Dezember unterschreibt, um noch von der alten Regelung zu profitieren, muss aufpassen. Denn wenn der Vertrag neben dem Sockelbetrag auch Aufstockungen durch Zuzahlungen vorsieht, können diese durchaus nach den neuen Unisex-Regeln bewertet werden. Experten schätzen, dass rund 80 Prozent der Rürup-Produkte nicht wirklich vor Unisex schützen. Ob es sich daher lohnt, überhaupt in ein neues Produkt zu wechseln, ist die Frage.

Für wen wird es teurer?

Teurer wird es vermutlich vor allem in den Bereichen, wo bislang der Unterschied zwischen Männern und Frauen erheblich war. So können derzeit die männlichen Versicherten bei einer Pflegepolice noch vom geringeren Risiko profitieren. Umgekehrt sind junge Frauen bei Risikolebensversicherungen momentan besser gestellt. Für solche Policen kann sich ein Abschluss vor der Umstellung auf Unisex also unter Umständen lohnen. Denn eins ist klar: Auch, wenn das Urteil des EuGH nichts über die Kosten aussagt, dürften die Versicherer die Risikobewertung eher an die höheren Tarife anpassen und nicht etwa die Vorteile der geschlechtsspezifischen Einstufungen an alle Versicherten weitergeben. Überstürzen sollte man dennoch nichts, denn die Bestandsverträge können je nach persönlicher Situation unter dem Strich auch besser (oder zumindest nicht schlechter) ausfallen als ein Neuvertrag.

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