Private Krankenversicherung

Sie lassen sich selbstverständlich nur vom Chefarzt behandeln, brauchen eine neue Designer-Brille, ziehen im Krankenhaus die Ruhe eines Einzelzimmers vor – und alles wird von der Krankenversicherung bezahlt. Eine verlockende Vorstellung und ein Leistungsumfang, den man üblicherweise mit der privaten Krankenversicherung verbindet. Doch solche Leistungen können nur diejenigen erhalten, die nicht der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht unterliegen, solange sie keine schwerwiegenderen Vorerkrankungen haben.

Wer kann eine private Krankenversicherung abschließen?

Zur Zielgruppe der privaten Krankenversicherungen (PKV) gehören alle, für die die gesetzliche Krankenversicherung nicht zuständig ist. Dies sind seit jeher Selbstständige, Freiberufler und Beamte, da bei letzteren die staatliche Beihilfe nur einen Teil der Behandlungskosten – je nach Beihilfesatz zwischen 50 und 80 Prozent – abdeckt und der Rest über eine Restkostenversicherung bei einer PKV abgesichert werden muss. Wer von einer privaten Krankenversicherungsgesellschaft zu einer anderen wechseln möchte, muss eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende des Kalender- bzw. Versicherungsjahres beachten.

Zum 1. Januar jedes Jahres können außerdem auch Arbeitnehmer in die private Krankenversicherung eintreten, deren Einkommen in den drei zurückliegenden Jahren die Versicherungspflichtgrenze überschritten hat. Diese Grenze liegt seit Anfang 2009 bei einem Jahreseinkommen von 48.600 Euro, in den Jahren davor war sie etwas niedriger. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Familie jedoch nicht automatisch mitversichert, sondern es muss für jedes Familienmitglied ein eigener Vertrag mit eigenem Beitrag abgeschlossen werden. Insgesamt zahlt der Arbeitgeber maximal 50 Prozent des derzeitig gültigen Höchstbeitrags der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Seit Anfang 2009 müssen die privaten Krankenversicherungen darüber hinaus auch alle anderen versichern, die nicht der gesetzlichen Versicherungspflicht unterliegen und nicht der GKV zuzuordnen sind. Hierzu haben sie einen Basistarif eingeführt. Was es damit auf sich hat, wird auf einer eigenen Seite erklärt, hier geht es um alle anderen Tarife.

Welche Leistungen bietet die private Krankenversicherung?

Welche Leistungen im Versicherungsvertrag eingeschlossen sind, hängt vom jeweiligen Tarif ab. Hiervon bieten die privaten Krankenversicherungen eine Vielzahl an, damit sich jeder den genau für ihn passenden aussuchen kann. Attraktiv machen die PKV natürlich insbesondere die Leistungen, für die die GKV nicht oder nicht ausreichend aufkommt. Hierzu gehören zum Beispiel:

Zuzahlungsfreiheit bei Medikamenten, Ein- oder Zweibett-Zimmer bei stationärer Behandlung, Chefarztbehandlung, freie Arzt- und Klinikwahl, Zahnersatz (hochwertige Kronen, Füllungen und Prothesen), Sehhilfen (Brillen, Kontaktlinsen) oder Behandlungen durch Heilpraktiker.

Woraus setzen sich die Beiträge für die private Krankenversicherung zusammen?

Die Beitragshöhe ist in der privaten Krankenversicherung anders als in der gesetzlichen unabhängig vom Einkommen. Vielmehr hängt sie individuell außer vom gewählten Tarif/Leistungsumfang auch von Geschlecht, Eintrittsalter, Berufsgruppe und Gesundheitszustand des Versicherten ab. Bestimmte Vorerkrankungen können zu einem Risikozuschlag führen oder aber zum Ausschluss von entsprechenden Leistungen, für deren Kosten man dann selbst aufkommen muss. Bei manchen chronischen oder anderen schweren Erkrankungen kann die private Krankenversicherung (außer für den Basistarif) die Aufnahme ablehnen.

Zudem umfasst der Versicherungsbeitrag einen Anteil für die Altersrückstellungen, durch die verhindert werden soll, dass die Beiträge mit zunehmendem Alter des Versicherten zu sehr steigen.

Um die Beitragshöhe zu reduzieren, kann man eine Selbstbeteiligung vereinbaren.

Wie erfolgt die Abrechnung?

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlt der Versicherte die Rechnungen bei ambulanten Behandlungen sowie für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel zunächst selbst und erhält das Geld hinterher von seiner Versicherung zurück. Bei Krankenhausaufenthalten übernehmen die privaten Krankenversicherungen in der Regel die Kosten direkt.

Was zählt zu den Nachteilen der privaten Krankenversicherung?

Unter normalen Voraussetzungen ist für Angestellte eine Rückkehr in die gesetzliche Versicherung nicht möglich. Das geht nur bzw. dann muss man es auch, wenn Ihr Bruttoeinkommen unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt, Sie eine Tätigkeit mit entsprechend geringerem Einkommen aufnehmen oder arbeitslos werden. Wenn Sie über 55 Jahre alt sind, gibt es noch weitere Bedingungen, die für die Rückkehr in die GKV erfüllt sein müssen.

Sind die Beiträge in der privaten Krankenversicherung für jüngere Menschen zum Teil günstiger als in der gesetzlichen, so ist es bei älteren Menschen genau andersherum, was für einige zu finanziellen Schwierigkeiten führen kann bzw. zur Notwendigkeit, in einen Tarif mit möglicherweise geringerem Leistungsumfang zu wechseln.

Hinweis:

Es wird allerorten dringend empfohlen, sich nicht alleine durch den Dschungel der bestehenden Angebote zu kämpfen. Lassen Sie sich entweder bei einer Verbraucherzentrale von Profis unterstützen oder ziehen Sie einen unabhängigen Versicherungsberater hinzu. Denn nicht nur die Beiträge der privaten Krankenversicherungen unterscheiden sich teilweise beträchtlich, sondern auch die damit verbundenen Leistungen.