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Weihnachtsgeld ist nicht für jeden Arbeitnehmer selbstverständlich

Weihnachtsgeld ist nicht für jeden Arbeitnehmer selbstverständlich

Viele Menschen denken, dass Weihnachtsgeld für jeden Arbeitnehmer gezahlt wird. Das ist jedoch nicht richtig. Viele Unternehmen zahlen gar kein Weihnachtsgeld oder deutlich weniger als vergleichbare Firmen. Eine aktuelle Umfrage des gewerkschaftlichen WSI-Tarifarchivs hat sich mit der Frage beschäftigt, welche Personengruppen am ehesten Weihnachtsgeld erhalten und wer am meisten Weihnachtsgeld bekommt. Ganz klar scheint dabei zu sein, dass vor allem Arbeitnehmer ohne Tarifvertrag häufig das Nachsehen haben. Die Umfrage wurde unter 8800 Teilnehmern durchgeführt und ergab, das fast 75 Prozent der Angestellten mit Tarifvertrag immerhin eine Art Weihnachtsgeld erhalten, während es bei den Beschäftigten ohne Tarifvertrag lediglich 42 Prozent sind. Offenbar gibt es auch ein Gefälle zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern, denn Frauen erhalten demnach seltener Weihnachtsgeld als ihre männlichen Kollegen; die Quote liegt hier bei nur rund 50 Prozent. Auch im Osten scheint Weihnachtsgeld seltener gezahlt zu werden. Dort erreicht die Quote im Durchschnitt lediglich 40 Prozent.

Gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter erhalten häufiger Weihnachtsgeld

Bemerkenswert sind die unterschiedlichen Sonderzahlungen auch in anderen Bereichen. So würde man vermuten, dass unbefristet Beschäftigte eher Weihnachtsgeld beziehen als Leiharbeiter. Tatsächlich liegt die Quote bei Leiharbeitern aber bei immerhin 50 Prozent, während die Arbeitnehmer mit unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen nur zu 45 Prozent eine Sonderzahlung erhalten. Anders sieht es aus, wenn man in einer Gewerkschaft organisiert ist, denn hier bekommen unabhängig vom Beschäftigungsmodell rund 66 Prozent ein Weihnachtsgeld. Die Auszahlung erfolgt meist im November und ist normalerweise nicht an die Gewinnentwicklung der Firma gebunden. Meist besteht ein tarifvertraglicher Anspruch, aber auch individuelle Vereinbarungen in Arbeitsverträgen oder übergeordnete Betriebsvereinbarungen können die Zahlung von Weihnachtsgeld regeln. In manchen Branchen gibt es sogar das sogenannte 13. Monatsgehalt, also ein Weihnachtsgeld in voller Höhe eines Monatsentgelts.

Ohne vertragliche Regelung kein genereller Anspruch auf Weihnachtsgeld

Trotzdem besteht kein genereller Anspruch auf Weihnachtsgeld. Ist diese Frage weder im Arbeitsvertrag noch in einer anderen Vereinbarung (z.B. Tarifvertrag) geregelt, muss der Arbeitgeber auch keine Sonderzahlung vornehmen. Es gibt aber auch Ausnahmen, die quasi aus einem „Gewohnheitsrecht“ entstehen. Wenn der Arbeitgeber mindestens drei Jahre in Folge Weihnachtsgeld auszahlt und nicht auf die Einmaligkeit der Zahlung hinweist, steht sie den Angestellten anschließend weiterhin zu. Dann spricht man auch von der sogenannten „betrieblichen Übung“. Und noch etwas ist wichtig: Zahlt der Arbeitgeber ein Weihnachtsgeld ohne eine vertragliche Festlegung, müssen alle Mitarbeiter die gleiche Behandlung erfahren. In diesem Fall wäre es beispielsweise nicht zulässig, nur einem Teil der Angestellten die Sonderzahlung zukommen zu lassen und anderen nicht. Gibt es jedoch vertragliche Regelungen, kann man sich nicht auf den Gleichbehandlungsgrundsatz berufen, wenn man zu denjenigen gehört, die kein Weihnachtsgeld erhalten.

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