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Zuwachs bei Riester-Renten nur eine Mogelpackung?

Zuwachs bei Riester-Renten nur eine Mogelpackung?

In der Versicherungsbranche sind die Niedrigzinsen ein echtes Problem. Viele Produkte wie etwa die Lebensversicherungen lohnen sich kaum noch. Dadurch kam es bei der Riester-Rente in den vergangenen Jahren zu starken Einbrüchen beim Abschluss von Neuverträgen. Daher zeigte sich die Branche geradezu euphorisch, als nun die Zahlen für 2014 veröffentlicht wurden. Demnach ist die Zahl der Neuabschlüsse erstmals wieder deutlich gestiegen. Für die Versicherer ein Zeichen dafür, dass das Gerede über Niedrigzinsen und Altersarmut jeder Grundlage entbehre. Finanzexperten sehen dies allerdings nicht unbedingt aus dem gleichen Blickwinkel. Denn sie sehen andere Aspekte beim aktuellen Riester-Aufschwung.

Lobby jubelt bereits

Die Lobby der Versicherungswirtschaft in Gestalt des GDV erklärte, dass im Vergleich zum Vorjahr 2,4 Prozent mehr Abschlüsse mit Riester geschafft wurden. Somit sei die Riester-Rente der Fels in der Brandung in Zeiten des Niedrigzinses, was die private Altersvorsorge angehe. Riestern wurde von der Politik eingeführt, um das sinkende Niveau der staatlichen Renten und die dadurch drohende Altersarmut zu bekämpfen. Daher gibt es eine Reihe von staatlichen Förderungen und Zuschüssen. Zudem sind Riesterprodukte zu 100 Prozent steuerlich absetzbar (bis zu einem Höchstbetrag von 2100 Euro inkl. Zulagen bei Alleinstehenden; 4200 Euro bei Ehegatten). Kritisch beäugt wurde Riester aber häufig deswegen, weil die entstehenden Lücken der gesetzlichen Rentenversicherung nicht vollständig überbrückt werden konnten. Die Niedrigzinsen taten das ihre, die Zahl der Vertragsabschlüsse weiter sinken zu lassen. Das dramatische Absinken der Zahlen verdeutlicht dies: Im Jahr 2013 wurden 26 Prozent weniger Riester-Verträge geschlossen als 2012. Und schon 2012 war der Einbruch mit 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geradezu gewaltig.

Zuwachs bei Riester nur durch Mitnahmeeffekt?

Im Lichte dieser Zahlen sehen die 2,4 Prozent Zuwachs im aktuellen Vorjahresvergleich dann doch etwas mager aus. Von einer Trendwende kann kaum noch die Rede sein, eher von einer Stabilisierung von Riester auf sehr niedrigem Niveau. Dies sagt auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge. Deren Vertreter Klaus Morgenstern erklärte, dass sich das Gesamtbild nur wenig verändert habe. Man könne erkennen, dass die Nachfrage nach Riester-Produkten seit deren Einführung sehr stark eingebrochen sei. Insofern seien die Neuabschlüsse nur ein Zeichen einer Stabilisierung des niedrigen Niveaus. Außerdem sieht die Zukunft nicht gerade rosig aus, weswegen die Zahl der Neuverträge in diesem Jahr voraussichtlich wieder sinken werde. Begründet wird dies mit dem Mitnahmeeffekt in 2014. Morgenstern sieht darin den Hauptgrund für die aktuellen Zuwächse, denn die Bundesregierung senkte letztes Jahr den Garantiezins für Lebensversicherungen von 1,75 auf 1,25 Prozent. Um noch in den Genuss der höheren Verzinsung zu kommen, rieten viele Experten zum Abschluss neuer Riester-Produkte im alten Jahr.

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